Das perfekte Anfänger-Training!

 

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Anfänger Chaos...

Splittraining, 5x5 oder doch lieber GK-Training? Anfangs kann es schwierig sein den richtigen Trainingsplan für sich zu finden, um seine gesetzten Ziele zu erreichen. Denn es gibt unzählige Meinungen von selbsternannten Fitnessexperten, Trainingsmagazinen oder Youtubern zum Thema Muskelaufbau. Nach welchem Plan soll ich trainieren? Wie viele Wiederholungen soll ich machen? Welche Übungen sind am besten? All diese Fragen sind berechtigt. Im Grunde sind sie jedoch viel einfacher zu beantworten als die Fitnessindustrie es uns vorgaukelt. Du brauchst keine Wunderpillen, Pulver oder ausgefallene Übungen. Im Folgenden wollen wir Klarheit schaffen und dich endlich das Fitnesschaos durchschauen lassen.

 
 

Muskelaufbau aus wissenschaftlicher Sicht

Das Thema Muskelaufbau wird in der Sportwissenschaft umfassend untersucht. Muskelaufbau oder auch Muskelhypertrophie ist eine Verdickung bzw. Vergrößerung der vorhandenen Muskelfasern. Trainingsparameter wie Trainingsfrequenz, Trainingsintensität und Trainingsvolumen werden in unzähligen Studien betrachtet um herauszufinden, wie ein optimaler Trainingsplan zusammengestellt werden sollte. Diese aktuellen Erkenntnisse wollen wir hier nutzen, um euch ein grundlegendes Verständnis von Muskelaufbau zu liefern.

 
 
 
 

In unzähligen Bodybuilding- und Fitnessmagazinen wird oft behauptet, dass ein Split-Trainingsplan das beste Trainingsprinzip für den Muskelaufbau sei. Bevor wir erklären, wieso das für Einsteiger so nicht stimmt, schauen wir uns erst einmal an was ein Split-Trainingsplan eigentlich ist:

In einem Split-Trainingsplan wird das Training so gestaltet, dass pro Trainingstag nur bestimmte Muskelgruppen trainiert werden. Somit splitten (aufteilen) wir das Training. Ein beispielhafter Split-Trainingsplan könnte folgendermaßen aussehen:

 
 
 
 

So ein Plan erscheint auf den ersten Blick sinnvoll, ist allerdings nicht für jeden geeignet. Ein Splittraining ist meist nur für weit fortgeschrittene Bodybuilder die richtige Wahl. Für Anfänger hingegen ist ein solcher Plan oft kontraproduktiv, da die Muskulatur zu intensiv belastet wird und nur langsam Trainingserfolge sichtbar werden.

Warum ist dieser Plan nichts für Anfänger? Hier ist ein kleiner Exkurs in die Trainingslehre von Nöten, um die Basics des Krafttrainings zu verstehen:

Damit ein Muskel wächst, müssen wir diesen reizen. Das bedeutet, wir müssen den Muskel so intensiv bewegen, dass er der Belastung nicht gewachsen ist. Dies gelingt uns in Form eines Krafttrainings. Wenn die Belastung des Trainings groß genug war und wir die nötige Reizschwelle überschritten haben, sind viele kleine Verletzungen im Muskel vorhanden. Diese mikroskopisch kleinen Risse in der Muskulatur nehmen wir als Muskelkater wahr. Unser Körper repariert diese Traumata und verstärkt den Muskel zusätzlich, damit er in Zukunft auf solche Belastungen vorbereitet ist. Dadurch ist der Muskel nach der Regenerations-Phase stärker als er es vor dem Training war. Dieses Phänomen wird in der Sportwissenschaft "Superkompensation" genannt.

 
 
 
 

In der Theorie sieht das alles simple aus. In der Umsetzung wird das ganze jedoch komplexer, da jeder Mensch eine individuelle Reizschwelle besitzt und dadurch zur optimalen Reizung eine passende Trainingsbelastung benötigt.

Die Forscher Schoenfeld & Brad (2012) beobachteten in vielen Studien, die Anpassung des Muskels nach dem Krafttraining. Dabei konnten sie feststellen, dass ein Muskel auch zu viel geschädigt werden kann und es dadurch zu Leistungseinbußungen kommt. Für uns bedeutet das: Mehr ist nicht gleich besser! Die folgende Grafik zeigt, wie ein andauender, zu starker Trainingsreiz uns langfristig in den Ruin treibt.

 
 
 
 

Wie wir im Bild sehen können, werden wir in diesem Trainingsryhtmus nicht stärker, sondern schwächer. Allerdings bestätigt diese Theorie immer noch nicht, dass ein Splittraining für Einsteiger ungeeignet ist.

In einem Splittraining trainieren wir eine bestimmte Muskelgruppe in einer Trainingseinheit sehr intensiv. Dazu werden oft viele Übungen genutzt, die den gleichen Muskel mehrfach reizen. Die Belastung für die trainierten Muskeln ist enorm und mündet bei Anfängern oft in einem Muskelkater, der Tage oder sogar Wochen anhält. Genau dieser Muskelkater ist kontraproduktiv für unseren Fortschritt. Er zeigt uns, dass wir unsere Reizschwelle zu weit überschritten haben und schränkt uns in unseren folgenden Trainingseinheiten stark ein. 

Fortgeschrittene Kraftsportler können dieses Trainingsprinzip hingegen anwenden, da sie diese enorm hohe Belastung auf eine Muskelgruppe tolerieren können. Das jahrelange Krafttraining hat unter anderem die Reizschwelle für ein erneutes Muskelwachstum erhöht und weiterhin haben trainierte Sportler eine bessere Regenerationsfähigkeit und können sich schneller neuen Reizen aussetzen. Für Anfänger ist dieses Prinzip jedoch noch der falsche Ansatz.

 
 

Das perfekte Training für Einsteiger

Der richtige Weg als Einstieg in das Krafttraining oder für ein Comeback nach einer langen Trainingspause könnte ein Ganzkörpertraining (GK-Training) sein. Diese Methodik beinhaltet, wie der Name es schon verrät, 2-3 Trainingseinheiten in denen der ganze Körper trainiert wird. Für Einsteiger reicht dieses Prinzip vollkommen aus, um ein erfolgreiches Muskelwachstum beizuführen. Als Anfänger ist unsere Reizschwelle, die wir im Training für das Muskelwachstum überschreiten müssen, sehr gering und wir benötigen nur wenige Reize, um unser Muskelwachstum anzuregen. Die Forscher Schoenfeld, B. J., Ogborn, D., & Krieger, J. W. (2016) untersuchten in einem systematischen Review, wie oft ein Muskel in der Woche trainiert werden sollte. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass 2 bis 3 mal pro Woche die optimale Frequenz für ein Krafttraining ist. In diesem Trainingsmuster ist es möglich das Muskelwachstum maximal auszuschöpfen. Gerade als Einsteiger sollte man daher lieber mildere Reize setzen aber dafür öfter in der Woche trainieren, um die Gegebenheiten der geringen Reizschwelle optimal auszunutzen. 

Damit unser GK-Training aber nicht in einem 4-stündigen Training endet, werden in der Regel für jede Körperregion zeitsparende Grundübungen genutzt, bei denen ganze Muskelketten kombiniert trainiert werden. Damit du den Spaß am Krafttraining beibehältst, geben wir dir den Tipp, einen zeiteffizienten und sich progressiv steigernden Trainingsplan zu verfolgen. Dieser Plan verhindert. dass du nie ratlos und gelangweilt ins Fitnessstudio fährst, ohne wirklich zu wissen, wie du heute am besten trainierst. Nehme dir die Zeit und mache dir vor deinen kommenden Trainingswochen Gedanken, wie dein Training ablaufen soll! Nur so wirst du es schaffen dein Durchhaltevermögen zu stärken und deinen Zielen ein Stück näher zu kommen. Um dir eine kleine Vorstellung mitzugeben wie deine Trainingswoche aussehen könnte, zeigen wir dir zwei Beispielrythmen für eine Trainingswoche.

 
 
 
 
 
 

Wie lange trainiere ich meinen Körper ganzheitlich? 

Zuletzt müssen wir nur noch die Frage beantworten, wie lange ein Einsteiger die Ganzkörper-Methodik verfolgen sollte bzw. wie lange die Reizschwelle eines Anfängers so gering ist, dass die moderaten Reize in der Woche ausreichen? Die Frage lässt sich ebenfalls nicht pauschal beantworten, weil jeder Sportler sich individuell an die Trainingsgegebenheiten anpasst. Hinzu kommen weitere Faktoren wie die Erholung, Ernährung und weitere Aktivitäten im Alltag des Sportlers. Am besten lässt sich der Erfolg deines Trainings an Ergebnissen messen. Schaue in den Spiegel und beobachte äußerliche Veränderungen. Tracke deine Trainingseinheiten und verfolge deine erreichten Sätze, Wiederholungen und bewegten Gewichte. Erst wenn es hierbei zur Stagnation kommt und du sicher ausschließen kannst, dass dein fehlender Fortschritt nicht mit deiner Motivation oder mangelnder Ernährung zusammen hängt, solltest du über eine Änderung deiner Trainingsmethode nachdenken. Bis dieser Punkt erreicht ist, vergehen erfahrungsgemäß mehrere Monate bzw. Jahre! Daraus können wir schließen, dass der Parameter "Trainingsaufsplittung" als eine der kleineren Stellschrauben fungiert, an der wir für mehr Leistung drehen müssen. Viel wichtiger sind beispielsweise die Faktoren Motivation, Disziplin, Technik und progressive Steigerung, die gerade zu Beginn einen viel größeren Einfluss auf unseren Erfolg haben. Wenn du weitere Infos über die Funktion unserer Muskulatur haben möchtest, um dein Sportwissen und dadurch auch dein Training zu verbessern, findest du hier einen Artikel über die Muskelhypertrophie und wann diese einsetzt.

 
 

Quellenangaben: